Manche Wanderungen bleiben wegen des Ziels in Erinnerung. Diese bleibt in Erinnerung, weil schon jede Etappe der Anreise für sich eine Attraktion ist. Von der Fahrt mit der historischen Kirnitzschtalbahn durch das grüne Tal über den Aufstieg auf die berühmte Himmelsleiter bis zum stillen Gratweg Richtung Kleiner Winterberg: eine der abwechslungsreichsten Tageswanderungen, die ich in der Sächsischen Schweiz gefunden habe.
Auf einen Blick
| Distanz | 8,2 km |
| Höhenmeter | +350 m / -340 m |
| Reine Gehzeit | 2:42 Std |
| Gesamtdauer | 4:21 Std |
| Schwierigkeit | Mittel – einige steile Steintreppen und Leiterpassagen |
| Start | Lichtenhainer Wasserfall |
| Ziel | Beuthenfall |
| GPS | 50,9281° N, 14,2486° O |
| Beste Jahreszeit | Frühling bis Herbst |
Die Anreise ist der halbe Tag
Die Anreise zum Startpunkt gehört zum Erlebnis dazu – nimm dir also Zeit dafür.
Mit dem Deutschlandticket – oder mit der Gästekarte, die du in vielen Unterkünften bekommst – sind Bahn, Fähren und Kirnitzschtalbahn bereits enthalten. Ansonsten brauchst du für jede Etappe ein eigenes Ticket.
1 — Fähre und S-Bahn nach Bad Schandau
Ich habe in Stadt Wehlen übernachtet. Der Tag begann also mit der kleinen Personenfähre über die Elbe, bevor es mit der S-Bahn weiter nach Bad Schandau ging. Die reine Fahrtzeit beträgt nur rund zehn Minuten – je nach Anschluss von Fähre und Bahn bist du insgesamt aber eher vierzig Minuten unterwegs.
ca. 30 Min.
2 — Fähre über die Elbe
Vom Bahnhof Bad Schandau bringt dich eine weitere Fähre gemächlich über die Elbe ins Stadtzentrum. Sie ist nicht auf die ankommenden Züge abgestimmt, es kann also sein, dass du kurz wartest – schlimm ist das nicht. Hol dir einen Kaffee, genieß die Stimmung am Fluss und schau dir die Sandsteinfelsen an, bevor es weitergeht.
ca. 30 Min.
3 — Kirnitzschtalbahn zum Lichtenhainer Wasserfall
Den letzten Teil der Anreise übernimmt die historische Kirnitzschtalbahn, eine charmante alte Straßenbahn, die sich gemächlich durch das bewaldete Kirnitzschtal bis zum Lichtenhainer Wasserfall schlängelt, der Endstation der Linie. Die Fahrt dauert rund 25 Minuten und ist ein Erlebnis für sich.
ca. 20–30 Min.
Die Route
Ich bin die Route von Lichtenhainer Wasserfall → Kuhstall → Himmelsleiter → Kleiner Winterberg → Beuthenfall gelaufen und damit eine Haltestelle weiter talabwärts gelandet.
Die Route lässt sich problemlos in umgekehrter Richtung gehen. Dann tauschst du den langen Abstieg am Ende gegen einen langen Anstieg am Anfang – letztlich eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Route aufgezeichnet mit komoot.
Die Wanderung
Nach der Ankunft am Lichtenhainer Wasserfall lohnen sich ein paar Minuten am kleinen Wasserfall, bevor du dem gut ausgeschilderten Weg Richtung Kuhstall folgst. Da die meisten, die mit der Bahn ankommen, in dieselbe Richtung laufen, kann man den Einstieg kaum verfehlen.
Der Aufstieg dauert etwa 15 bis 20 Minuten und ist eher gleichmäßig als anstrengend. Schon bald taucht das eindrucksvolle Sandsteintor des Kuhstalls auf, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz.
Ein idealer Ort für die erste Pause. Die Bergwirtschaft hat einen großen Biergarten mit sächsischer Küche und kalten Getränken. An einem heißen Sommertag war meine eiskalte Apfelschorle mindestens so belohnend wie die Wanderung selbst, und die hausgemachte Linsensuppe war ein perfektes frühes Mittagessen.
Von der Gaststätte aus folgst du den Schildern zur Himmelsleiter, wohl einer der markantesten Sehenswürdigkeiten der Region.
Trotz des Namens ist es keine Leiter, sondern eine sehr schmale Treppe, die direkt in den Sandstein gehauen wurde. Der Einstieg ist überraschend eng und kann einschüchternd wirken, wenn du dich in beengten Räumen unwohl fühlst. Ich musste mich vor der ersten Passage definitiv kurz überwinden.
Zum Glück wird die Treppe nach oben hin etwas breiter. Es sind ungefähr vierzig bis fünfzig Steinstufen, und auf dem größten Teil des Aufstiegs kannst du dich mit einer Hand an den Felswänden abstützen – das gibt deutlich mehr Sicherheit.
Trotzdem ist die Treppe nicht durchgehend geschlossen. Es gibt ausgesetzte Abschnitte, festes Schuhwerk und ein sicherer Tritt sind also Pflicht.
Oben wartet eine kleine, mit Geländer gesicherte Aussichtsplattform mit einem herrlichen Blick über die umliegende Sandsteinlandschaft. Der Abstieg führt über eine andere Treppe, sodass sich eine praktische Einbahn-Runde zurück zur Kuhstall-Gaststätte ergibt.
Sobald du den Trubel hinter dir lässt, ändert sich der Charakter der Wanderung vollständig.
Der Weg führt zunächst hinunter in den Wald, bevor der Anstieg zum Kleinen Winterberg beginnt. Teile des Waldes sind recht licht – unterschätze die Sonne an warmen Tagen also nicht. Kopfbedeckung und Sonnencreme sind sehr zu empfehlen.
Der Anstieg wird nach und nach steiler, mit langen Treppen und Serpentinen durch die Sandsteinfelsen. Zum Glück gibt es genug Gelegenheiten anzuhalten, durchzuatmen und die Aussicht zu genießen – so bleibt der Aufstieg auch an heißen Sommertagen machbar.
Am Kleinen Winterberg beginnt mein Lieblingsabschnitt der ganzen Tour.
Der schmale Gratweg schlängelt sich durch spektakuläre Sandsteinformationen mit weitem Blick über die Wälder der Sächsischen Schweiz. Überraschend wenige Wanderer gehen so weit, entsprechend ruhiger ist es hier als rund um den Kuhstall.
Gleichzeitig wird die Tour hier deutlich anspruchsvoller.
An mehreren Stellen musst du über große Sandsteinblöcke klettern, und ein kurzer Abschnitt ist mit einer Kette gesichert, die beim Queren einer ausgesetzten Stufe zusätzlichen Halt gibt. Technisch ist das nicht besonders schwierig, verlangt aber Selbstvertrauen, Balance und Trittsicherheit.
Wenn du nicht schwindelfrei bist, würde ich hier ehrlich gesagt umkehren, bevor du dich auf den Grat einlässt. Sobald du über die größeren Blöcke geklettert bist, ist der Rückweg deutlich schwieriger als der Weiterweg.
Wer aber gern ein bisschen kraxelt, findet hier einen absolut spektakulären Abschnitt – für mich eines der Highlights der Sächsischen Schweiz.
Irgendwann geht der Grat in einen unglaublich langen Abstieg Richtung Beuthenfall über.
Geklettert wird jetzt zwar nicht mehr, unterschätzen solltest du diesen letzten Abschnitt trotzdem nicht. Unebene Stufen, loses Geröll und durchgehendes Bergabgehen gehen überraschend stark auf die Knie. Der Abstieg dauert knapp eine Stunde und fühlt sich oft deutlich länger an – bis schließlich das vertraute Geräusch der Straßenbahn die Rückkehr ins Tal ankündigt.
Von Beuthenfall aus steigst du einfach wieder in die Kirnitzschtalbahn oder fährst mit dem Bus weiter nach Bad Schandau.
Wo du unterwegs essen kannst
Direkt am Lichtenhainer Wasserfall gibt es eine Gaststätte – praktisch vor oder nach der Wanderung.
Ich würde aber warten, bis du am Kuhstall bist. Der Biergarten hat eine fantastische Atmosphäre, freundliches Personal und richtig gutes traditionelles Essen. Sich dort nach dem ersten Anstieg hinzusetzen, fühlt sich eher nach Belohnung an als nach einer bloßen Mittagspause.
Nach dem Kuhstall gibt es bis zurück ins Tal keine Möglichkeit mehr, etwas zu essen oder zu trinken zu kaufen – plane entsprechend.
• Restaurant Lichtenhainer Wasserfall
An der Endhaltestelle der Kirnitzschtalbahn – praktisch vor oder nach der Wanderung.
• Berggaststätte Kuhstall
Großer Biergarten am Felsentor, sächsische Küche. Die letzte Einkehr, bevor es für drei bis vier Stunden weitergeht.
Praktische Hinweise
- Tickets: S-Bahn, Fähren und Kirnitzschtalbahn sind alle im Deutschlandticket enthalten. Wer in der Sächsischen Schweiz übernachtet, bekommt in vielen Unterkünften zusätzlich eine Gästekarte, die diese Verkehrsmittel abdeckt. Ansonsten musst du die Tickets einzeln kaufen.
- Fahrplan: Die Kirnitzschtalbahn fährt tagsüber etwa alle 30 Minuten. Schau vorher unbedingt in den aktuellen Fahrplan, besonders wenn du die letzte Bahn ab Beuthenfall erwischen willst.
- Gelände: Das ist eine mittelschwere Wanderung, kein Spaziergang. Ein großer Teil verläuft zwar auf gut ausgebauten Waldwegen, der Gratabschnitt enthält aber mehrere Kletterpassagen über große Sandsteinblöcke, eine kurze mit Kette gesicherte Stelle und einige ausgesetzte Bereiche. Nach Regen wird das spürbar anspruchsvoller.
- Schuhe: Trailrunning-Schuhe oder leichte Wanderstiefel sind ideal. Normale Sneaker würde ich nicht empfehlen, Sandalen sind für diese Route definitiv ungeeignet.
- Wasser und Essen: Nimm im Sommer mindestens 2 Liter Wasser mit, besonders an heißen Tagen. Der Kuhstall ist die letzte Gelegenheit, Flaschen aufzufüllen oder etwas zu kaufen – danach bist du noch drei bis vier Stunden unterwegs.
- Andrang: Der Kuhstall ist nach der Bastei einer der meistbesuchten Orte der Sächsischen Schweiz. Selbst an einem Sommerwochenende fand ich es dort aber erträglich. Sobald du den Kuhstall hinter dir lässt, verlaufen sich die Leute überraschend schnell. Auf dem gesamten Gratweg zum Kleinen Winterberg sind mir nur eine Handvoll anderer Wanderer begegnet – einer der ruhigsten und schönsten Abschnitte des Tages.
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